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WWG weiter im Aufwind - Vom WWG zum WSG-W, ein Schritt in die Zukunft!


Tabelle 1


Tabelle 2 und 3

Diesen beiden Schlagworte umreißen knapp und prägnant die positive Entwicklung, die die Wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasien in den letzten Jahrzehnten genommen haben. Ein kurzer historischer Rückblick auf die Entwicklung seit den Anfängen dieses gymnasialen Zweiges bestätigt dies.

Die Vorläufer des heutigen Wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasiums, wie wir es seit Anfang der siebziger Jahre kennen, bildeten die Wirtschaftsoberrealschulen. Bei ihnen lag die Trägerschaft im Gegensatz zu den staatlichen Gymnasien aber stets bei der Kommune. So waren es die großen Städte in Bayern, die auf Drängen des Stadtrats und des dort vertretenen wirtschaftlich interessierten Bürgertums eine Ausbildungsrichtung mit einer zweiten Fremdsprache, aber eben mit ökonomischer Schwerpunktsetzung forderten. Nach Nürnberg, dessen Wurzeln der ökonomischen Bildung bis 1834 zurückreichen, folgte 1942 die Gründung des heutigen Adolf-Weber-Gymnasiums in München und nach dem Krieg die der städtischen Gymnasien in Amberg, Augsburg, Regensburg, Würzburg, Bamberg und Schweinfurt.

Etwa bis Mitte der sechziger Jahre wurde das WWG als Wirtschaftsoberrealschule, das Mathematisch-Naturwissenschaftliche Gymnasium (MNG), mit dem das WWG starke Ähnlichkeiten bei der Stundentafel aufweist, schlicht nur als Oberrealschule bezeichnet. Erst ab 1964 gelang diesen beiden Schultypen die Emanzipation im deutschen Bildungssystem und sie durften sich fortan aufgrund des “Hamburger Abkommens” (Kuhn 1976, S. 185) wegen der Gleichwertigkeit der Bildungsabschlüsse beim Abitur auch «Gymnasien» nennen. Es scheint so, als hätte bereits Herder dieses Ringen um Gleichwertigkeit erkannt, als er 1769 einmal äußerte, dass es immer einen “ewigen Streit” zwischen dem Lateinischen und den Fächern der Realien geben wird. (Stoll, S. 9).

Die durch Picht 1964 ausgelösten Änderungen in der Bildungspolitik und die vor allem seit 1968 einsetzenden Änderungen in Staat und Gesellschaft brachten nicht nur eine Reihe von Neugründungen für Gymnasien mit sich, sondern weiteten auch das Bildungsangebot in seiner Vielfalt aus. Waren früher die Lerninhalte eher kaufmännisch und betriebswirtschaftlich orientiert, so bildete nun verstärkt eine breite Allgemeinbildung, die auch volkswirtschaftliche und rechtliche Bereiche ansprach, das Ziel der ökonomischen Bildung.

Nachdem 1967 in Regensburg als Nachfolger der bis dahin städtischen Wirtschaftsoberrealschule der erste staatliche WWG-Zweig eingerichtet wurde, kam es ab 1969 zu einer regelrechten Gründungswelle dieser Zweige an staatlichen Schulen.

So wurden allein in den fünf Jahren von 1969 bis 1974 15 WWG-Ausbildungsrichtungen an staatlichen Gymnasien angegliedert. Bis 1978 hatten 20 der damals knapp 400 bayerischen Gymnasien einen WWG-Zweig, was einer Quote von rund 5% entspricht.

Seit etwa 1978 verlangsamt sich die Genehmigung weiterer WWG-Zweige durch das Ministerium. Dennoch erhält beispielsweise Mittelfranken, das bis dahin noch kein staatliches WWG-Gymnasium hatte, in Ansbach und Stein bei Nürnberg einen solchen Zweig genehmigt. In Rosenheim und Vöhringen werden in Planungsregionen WWG-Zweige errichtet, die bis dahin ebenfalls noch nicht versorgt waren. In Bamberg tritt an die Stelle des 1972 gegründeten städtischen Graf-Stauffenberg-Gymnasiums, welches mittlerweile aufgelöst wurde, der WWG-Zweig am Clavius-Gymnasium. Und schließlich werden 1990 in Fürth und Würzburg zwei traditionsreiche Seminarschulstandorte zu WWG-Gymnasien aufgewertet.

Während sich der Freistaat Bayern seit Ende der siebziger Jahre mit der Genehmigung von neuen WWG-Zweigen eher zurückhält, treten nichtstaatliche Gymnasien, die in Bayern 24% aller Gymnasien ausmachen, mit der Eröffnung neuer WWG-Zweige verstärkt in Erscheinung. So gliedern allein neun kirchliche Gymnasien einen solchen Zweig an, wovon immerhin acht auf Südbayern entfallen. Aber auch drei kommunale Zweckverbände und vier private Gymnasien kommen der verstärkten Nachfrage nach wirtschaftlicher Bildung entgegen.

Bis zum Jahr 2006 erhöhte sich die Zahl der Gymnasien mit einem wirtschaftswissenschaftlichen Schwerpunkt auf nunmehr 57. Bei der Neueinrichtung von Schulzweigen spielen sicher die Vorstellungen der Elternschaft vor Ort eine wichtige Rolle. Die Zunahme gerade im letzten Jahrzehnt zeigt die weiterhin vorhandene, grundsätzliche Wertschätzung der angebotenen Bildungsinhalte und ist Indiz für die breite Akzeptanz dieses Schulzweiges.

Der Beginn dieses Jahrzehnts brachte eine Bereinigung der gymnasialen Schullandschaft Bayerns. Zunächst stand der Gedanke einer völligen Verschmelzung des Wirtschafts- mit dem Sozialwissenschaftlichen Gymnasium im Raum, was einen weitgehenden Verlust des wirtschaftswissenschaftlichen Profils zur Folge gehabt hätte. Die letztendlich getroffenen Entscheidung, das „alte WWG“ und das „alte SWG“ unter dem Dach des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Gymnasiums zusammenzufassen und den Schulen gleichzeitig eine Profilbildung hin zu einer mehr wirtschaftswissenschaftlich (WSG-W) bzw. mehr sozialwissenschaftlich (WSG-S) geprägten Ausrichtung zu ermöglichen, erhält die Vielfalt der bayerischen Schullandschaft und wird den Interessen aller Beteiligten besonders gerecht.

Die Abbildung auf der nächsten Seite zeigt die derzeitige Verteilung der WSG-W in Bayern und informiert über die Trägerschaft der Schulen.

Ab dem Schuljahr 2006/07 wird in der Jahrgangstufe 8 der Unterricht nach den neuen Lehrplänen und Stundentafeln im achtjährigen Gymnasium erteilt.

Besonderes Gewicht kommt in diesem Zusammenhang sicher dem Wegfall des Faches Rechnungswesen und der Einführung des neuen Faches Wirtschaftsinformatik zu. Eine Änderung, der viele zunächst sicher mit einer gewissen Skepsis gegenübergetreten sind.

Der Lehrplan des neuen Faches wurde vor der Einführung an sieben Versuchsschulen getestet. Schon die im Zusammenhang mit der Umsetzung des Schulversuches durchgeführten Informationsveranstaltungen für Eltern und Schüler zeigten ein besonderes Interessen an diesen z. T. völlig neuen Inhalten. Dies kann durch die Erfahrungen einer Schule belegt werden, die diese gemacht hat, als sie die Zustimmung der Eltern zum Schulversuch einholte.

Ca. 120 Eltern wurden mit befragt, ob ihre Kinder am Schulversuch Wirtschaftinformatik teilnehmen sollen, ob auf jeden Fall Rechnungswesen wie bisher unterrichtet werden soll oder ob sie keine Präferenzen haben. Lediglich vier Eltern wollten auf jeden Fall das Fach Rechnungswesen beibehalten sehen. Einige wenige hatte keine Präferenzen und weit über 100 Eltern wollten, dass ihr Kind am Schulversuch Wirtschaftsinformatik teilnimmt.

Die Zukunft muss zeigen, ob der Unterricht im neuen Fach diese Erwartungen erfüllen kann.

In den Tabellen 2 und 3 wird die Situation für unsere Fächer vor und nach der Einführung des G8 verglichen. Vor der Einführung des G8 wurden Wirtschafts- und Rechtslehre und Rechnungswesen im zweigspezifischen Unterricht der Klassen 9 – 11 mit 18 Stunden unterrichtet. Nach dem derzeitigen Stand (Juli 2006) zeigen sich die Stundentafeln (im Auszug) für die profilbildenden Fächer am WSG-W entsprechend Tabelle 3.

Am WSG mit wirtschaftswissenschaftlichen Profil wird das Kernfach Wirtschaft und Recht in den Klassen 8 und 9 nur noch zweistündig unterrichtet, auch in der Jgst. 10 sieht die Stundentafel lediglich zwei Stunden zwingend. vor. Das Stundendeputat kann in dieser Jahrgangsstufe bei entsprechender Verwendung der Profilfächer auf 4 erhöht werden. Das Fach Wirtschaft und Recht verliert am WSG-W also gegenüber der Situation vor z. B. zehn Jahren im ungünstigsten Fall 5 Stunden, im günstigsten Fall bei entsprechender Profilbildung 3 Wochenstunden. Das Fach Rechnungswesen wird im Übergang zum G 8 durch das neue, zweistündige Fach Wirtschaftsinformatik ersetzt. Dabei verlieren unsere wirtschaftswissenschaftlichen Fächer in den Klassen 8 -10 eine weitere Wochenstunde gegenüber der Situation am „alten WWG“ in den Klassen 9-11. Aus 18 fachspezifischen Stunden am WWG wurden also 12 (bzw. max. 14) Wochenstunden.

In den Profilstunden eröffnen sich neue Freiräume, die die einzelne Schule bei der Ausgestaltung ihres Profil sicher zugunsten des wirtschaftswissenschaftlichen Profils nutzen kann, aber nicht nutzen nutzen muss.

Zu hoffen bleibt, dass den Schülern im Fächerkanon der Jgst. 11 und 12 die Möglichkeit geboten werden wird, auch das Fach Wirtschaftsinformatik zu belegen. Die WSG-W sollten das in der Mittelstufe aufgebaute Profil auch in der Oberstufe beibehalten können.

Der in den letzten Lehrplangenerationen umgesetzte Weg – ausgehend von der Erfahrungswelt des Jugendlichen und die einzelwirtschaftliche Sicht des Verbrauchers hin zu gesamtwirtschaftlichen Überlegungen wird auch mit der Auswahl der Lerninhalte im neuen WSG-W beibehalten. Die Befähigung zum Denken in prozessualen Zusammenhängen, eine ganz grundsätzliche Anforderung an einen jungen Menschen in einer sich immer weiter vernetzenden und globalisierenden Welt, soll gefördert werden.

Die folgende Zusammenstellung der Inhalte für die Jgst. 8 spiegelt diese Überlegungen wider.

8.1

Wirtschaftliches Handeln der privaten Haushalte

8.1.1

Entscheidungen beim Konsum

8.1.2

Entscheidungen beim Umgang mit Geld

8.2

Rechtliches Handeln der privaten Haushalte

8.2.1

Bedeutung und Abschluss von Verträgen am Beispiel der Kaufhandlung

8.2.2

Rechte des Verbrauchers bei Pflichtverletzungen

8.2.3

Die rechtliche Stellung Minderjähriger

8.3

Wirtschaftliches und rechtliches Handeln in Unternehmen

8.3.1

Entscheidungen bei der Gründung eines Unternehmens

8.3.2

Typische Geschäftsprozesse im Unternehmen

Typische Geschäftsprozesse im Unternehmen

Der grundlegenden Wandel in vielen Wirtschaftsbereichen wurden berücksichtigt. Verschiedene Inhalte -„Gute alte Bekannte“, die den Unterricht über Jahrzehnte begleitet haben - mussten sich verabschieden, da sie eben auch im täglichen Leben stark an Bedeutung verloren haben und das Wissen um sie nicht unbedingt mehr Inhalt einer am Gymnasium zu vermittelnden Allgemeinbildung ist. Erinnert sei in diesem Zusammenhang z. B. an den Wechsel und seinen heutigen Stellenwert im täglichen Leben.

In der Jgst. 11 erfolgt eine zusammenfassende Schau auf den „Standort Deutschland“ aus Sicht der privaten Haushalte und Unternehmen. Im Vergleich mit anderen Volkswirtschaften werden den Schülern die unmittelbaren Auswirkungen der Globalisierung für sie selbst bewusst. Eine wichtige Erweiterung gegenüber den älteren Lehrplangenerationen, die den Unterricht am WSG-W vor dem Übergang in die Kollegstufe abrundet.

Manfred Gloss

Günther Vorholzer